Der Alptraum vom schwarzen Gold oder vertraue keinen italienischen Hexenkuechen... 08.05.2019 

img-20190507-wa0017_1600Ein trotz allem gut gelauntes Quartett am Ende eines langen Rennwochenendes. Robert, Reini, Sabrina und Alex hatten Spaß, wenn auch im Rennverlauf nicht alles super war. Wahrlich nicht...

Am vergangenen Wochenende stand der Endlauf zur zweiten Deutschen Sideways-Gr.5-Meisterschaft in Siegburg bei Köln an. Vor Jahresfrist ging dieses Rennen völlig unerwartet aus, denn mit Robert, Carsten und Alex stellten wir die Ersten, Dritten und Siebten auf der großen Holzbahn. Da Robert auch auf der Carrerabahn vor Jahresfrist das Maß der Dinge war, wurde er sensationell der erste deutsche Titelträger.

Dass es im Vorjahr überhaupt soweit kommen konnte, lag natürlich auch daran, dass Robert die Modelle nicht nur erstklassig vorbereitete, sondern der M1 auch mit einem 29er Spurzahnrad immer noch das Maß der Dinge war. Nicht zuletzt deshalb ging das Dahlheimer Sextet auch mit 6 M1 an den Start. So falsch war vor dem Hintergrund des Endergebnisses 2018 diese Entscheidung wohl nicht.

2019 war das jedoch nicht mehr so eindeutig. Reglementbedingt musste der M1 jetzt mit einem 30er Spurzahnrad auskommen. Das kostete zwangsläufig noch mehr Speed auf den Geraden. Auf der anderen Seite änderte dieses Zahnrad jedoch nichts an dem nach wie vor glänzenden Fahrverhalten des bayrischen Flachmanns. Wie sollten wir uns entscheiden?

Im Vorjahr zeigte sich der Ford Capri noch mit am besten aussortiert, also hatten wir noch Fordmodelle mit im Gepäck, um ggfs. auf die Zakspeedboliden zu setzen. Die Eindrücke der Testfahrten überzeugten uns jedoch nicht. Die Capris wollten nicht so viel Grip aufbauen, wie es nötig gewesen wäre. Das war zumindest unser Eindruck. Also blieb es auch in der diesjährigen Auflage bei einer reinen Dahlheimer M1-Flotte, trotz der noch kürzeren Übersetzung und dem dadurch zwangsläufig fehlenden Topspeed.

Während der nachmittäglichen Trainingssessions gelang es uns, allmählich die Performance der M1er wieder zu steigern. Robert bewies dabei, dass er noch immer zu den allerschnellsten zählte, denn auf drei der sechs Holzbahnspuren knallte er auch mit dem kurz übersetzten M1 10,9er Zeiten in die Piste. Das machte Hoffnung. Alex schaffte zwar nur 11,3er Zeiten, doch auch er kam zunehmend besser zurecht.

Sabrinas M1 lief stabile niedrige 12er Zeiten, während Reini leider konstant große Probleme hatte. Reini ist seinem ganzen Wesen nach eher ein digitaler Fahrer. Nicht im Sinne digitaler Spurwechsel, sondern gemäß des eigenen Beschleunigungsverhaltens - 0 oder 1. Ruhiges und geschmeidiges segeln, die Grundvoraussetzung für Erfolg auf der weitläufigen Holzbahn, wollte ihm nicht wirklich gelingen. Wenn man von Reinis Schwierigkeiten absah, schien auch in der diesjährigen Auflage vieles möglich zu sein. Leider sollte es nicht so kommen.

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Erste Trainingsrunden auf der Dicken Berta für ein Dahlheimer Trio... Die Carrerabahn. Vorn auf zwei Ebenen, was das Anbremsen nicht einfach macht. Die Ausdehnung der Dicken Berta kann man nur erahnen...

Im Rahmen der technischen Abnahme offenbarte sich dann die Knallerinfo des Tages. Die Rennreifen waren nicht die Trainingsreifen. Soso. Sideways hatte nicht geliefert. Stattdessen wurden BRM-Reifen ausgegeben, die identisch sein sollten. Hoch und heilig hat das der italienische Hersteller Luc versprochen. Das kann man glauben oder eben auch lassen. Zweifel hatten viele von uns, einige griffen massiv in die braune Masse. Mit einem Mal waren in jedem Fall Roberts und auch meine M1-Zeiten Geschichte. 3-6 Zehntel fehlten auf den verschiedenen Spuren. Die Karren klapperten auf Holz und waren nicht wiederzuerkennen. Das war richtig ausgewachsener Kubikdreck, den ich in dieser Form kein weiteres Mal brauche. Im Grunde klage ich sogar noch auf hohem Niveau. Andere erwischte es noch massiver, Björn aus Siegburg etwa oder Stefan aus Eindhoven.

Sollten bei einer möglichen Neuauflage erneut Trainingsreifen und Rennreifen voneinander abweichen, dann bin ich raus. Zusätzlich war in jedem Fall die zur Verfügung gestellte Charge nicht homogen. Das war ausgemachtes Zusatzpech für die Organisatoren. Mein Vorschlag für das kommende Jahr: gebt neben den Rennreifen auch noch zwei Paar Trainingsreifen aus der Charge aus. Dann kann man zwar immer noch Pech haben, aber etwas besser sollte es schon laufen.

Wie auch immer, die Veranstaltung selbst lieferte erfreuliche Erkenntnisse. Die wichtigste zuerst: auch in der zweiten Auflage waren erneut 33 Starter vor Ort, 5 von Ihnen kamen dabei sogar aus den Niederlanden. Eine sehr schöne Entwicklung ist das. Es ist naturgemäß nicht einfach, in einer Wiederholungsauflage die gleiche Teilnehmerzahl bei der Stange zu halten, zumal es reichlich weiße Teilnehmerflecken auf der deutschen Landkarte gibt. So fehlt der gesamte hohe Norden jenseits Hannovers, der Osten ist komplett verwaist und auch das an sich sehr 132-afine Rhein-Main-Gebiet suchte man in den Starterlisten vergebens.

Für die Durchführung der Trainingssessions hatte man sich ebenfalls ein neues und transparentes Kartensystem einfallen lassen. Die Schwierigkeiten des Bahndienstes aus dem Vorjahr wiederholte sich nicht. Das war einfach perfekt.

Was die eingesetzten Modelle anging, tat sich Überraschendes.  Die Stratos und die 320er BMW zeigten sich völlig unerwartet performant, sowohl auf Kunststoff als auch auf Holz. Beide Modelle bauten einen Wahnsinnsgrip auf und kamen scheinbar driftfrei durch die Carrerawechselkurvenkombinationen. 

Auf der Carrerabahn gingen die ersten 4 Plätze an Piloten aus dem Westen. Das überraschte nicht wirklich, schließlich zahlte sich hier doch der Heimbonus aus. Auf der in der Gegenrichtung befahrenen Holzbahn standen auf den ersten drei Plätzen hingegen Piloten aus München, den Niederlanden und Augsburg. Zweimal BMW 320 vor einem verflucht schnellen Ford Capri. Der Capri fiel jedoch noch auf Gesamtwertungsplatz 4 zurück. Ein Stratos aus dem Westen profitierte hier einfach noch von dem sehr guten Carreraergebnis.

Das alles machte Tobias Münchberger aus München nichts aus. Sein siebter Carreraplatz und der Sieg auf der Holzbahn sollten am Ende reichen. Der zweite deutsche Meistertitel geht in eine Stadt, die geographisch zwar schön liegt, das war es dann aber auch schon.

Tja, und wie ging die Nummer für uns aus? Für Reini stand die Veranstaltung unter dem Motto "wenigstens ein bisschen dazugelernt". Sabrina als einzige Amazone im Feld war nochmals verbessert  und vom Pech verfolgt. Sowohl im Qualifying als auch im Rennen machte der M1 oder der Regler sehr seltsame Sachen auf Spur 2. Mehrfach blieb das Auto einfach stehen. Ohne diese Zickereien wäre ein Top-20-Ergebnis sicher gewesen. Cool. Roberts zweiter Reifensatz war Vollgrütze. Da tat sich nix. Und dazu kamen auch noch falsche Abstimmungsentscheidungen auf Holz. Deshalb löste sich das gute Carreraergebnis (Platz 8) noch in Luft auf, denn auf Holz war nicht mehr als Platz 19 drin. Und ich konnte mich nach katastrophalen Carrerareifen zumindest noch über einen zweiten brauchbaren Holzsatz erfreuen. Leider spurte der M1 jedoch öfter an Plattenstößen bei einzelnen Spuren unmotiviert aus, da er zu tief abgestimmt war. Mit einem 14. Gesamtwertungsplatz ging das aber letztlich dann doch noch.

Das war es dann.

Alex



 
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