Die Aepfel im Garten der Hesperiden hingen hoch, sehr hoch sogar...! 05.06.2013 

2_team_640Strahlende Gesichter oder "sechs große Jungs erwarten die große Fahrt"...

Hallo liebe Gemeinde. Lang hat es gedauert, Wochen und Monate sind in der Zwischenzeit vergangen. Die Wunden sind vernarbt, wenn auch nicht ganz ausgeheilt. Doch in der Rückschau wird das Vergangene verklärt, zumal die Erkenntnis eigentlich grundsätzlich positiv ist, kurzum: ein Fazit, ein Reisebericht, muss her, er ist ja längst überfällig - zumal er sogar aus den USA "eingeklagt" wurde - Carsten, du hast ja so recht!

Es begab sich also zu der Zeit, als sechs Recken zu Füßen des Herakles ausrückten, um die Slotgötter herauszufordern, ihnen das Geheimnis des Erfolgs - oder der ewigen Jugend, um ganz der Mythologie verpflichtet zu bleiben - zu entreißen, einzudringen in jenen zauberhaften Garten des Erfolgs, jenseits des mächtigen Gebirges. Auch wenn wir den Atlas nicht überschreiten mussten wie unser antiker Held, auch wenn wir nicht ganz (räusper...) dessen Erfolg erzielen konnten, so war die Reise für uns alle doch unvergesslich.

Gestartet sind wir am Abend des 11. April. Zuerst schlugen wir, also Alex und Werner, bei Alfred auf, dort hatten sich bereits Karsten und Dirk - die Niedersachsenfraktion - eingefunden, um mit dem Megatransit der Fa. Güde in die unsicheren Gefilde gen Süden aufzubrechen. Spätestens bei unserer endgültigen Vereinigung in Guxhagen gegen 21.00Uhr - Micha sprang dort noch ins Auto - hatte uns der Wetterdreck so richtig eingeholt. Gefühlte 5 Grad, Dauerregen, das ganze bescheidene Programm. Doch wir fuhren ja nach Süden, da konnte es doch nur besser werden, oder?

Alfred und Micha übernahmen die beiden ersten Zweistundenschichten am Lenkrad, voll des Lobes ob des flotten Transits, der ausgesprochen geräumig uns "zu Füßen" lag. Genervt zeigten sie sich höchstens über die Qualität bundesdeutscher Autobahnen, Baustelle auf Baustelle auf der A7 und über die Sicht im Dauerregen wollen wir gar nicht reden. Dirk und Alex übernahmen dann die Frühschicht in luftigen Höhen, 30m Nebelsicht und höchste Schneereste - gottlob abseits der Piste - am Berninapass inclusive. Südlich Mailand war die Nacht und die Fahrt für die beiden "Verrückten" dann vorbei.

Kurz zur Erläuterung: Vor gut 23 Jahren fing auf Dirks Dachboden alles an. Hätten unsere gegenseitigen 2-Personen-Rennen uns nicht so viel Spaß gemacht, ich trage übrigens noch immer ein Renntrauma von damals mit mir herum, wären wir beide nicht gleich stark gewesen, die ganze Rennbahnerei hätte sich wohl so nie entwickelt. Wir wären vor 15 Jahren zu unserem ersten 24 Stundenrennen nie im Korbacher Raum an der Rennbahn aufgeschlagen, hätten keine Nachterfahrungen in Gießen gesammelt und am 12./13./14./15. April, so viel ist sicher, hätte uns der Weg garantiert auch nicht nach Italien geführt. Danke dafür! Ich möchte nicht eine Sekunde missen!

Werner kutschierte uns nach Salsomaggiore Terme, ein italienisches Kurstädtchen mit klassischer Architektur, abseits der Pfade des üblichen Massentourismus, in der Gegend von Parma, zu den Füßen der sich am Horizont abzeichnenden Apenninen. Schön wars! Gegen 9.30Uhr waren wir da und mit uns hielt auch der Frühling in Italien Einzug, alles richtig gemacht, würde ich sagen. Es folgte eine Zeit des Durchatmens, der Genuss italienischer Kaffeekünste - davon verstehen sie was - und der Bezug unserer Zimmer.

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Ein Blick auf die beeindruckende Größe der Veranstaltungshalle: Sechs Bahnen, viele Schrauberplätze und der Nachtruhebereich.
Aufstellung vor dem allerersten Lauf. Das Zuordnungsglück hatte es nicht sehr gut mit uns gemeint. Der Ford P68 war unser Modell, welches wir erwählten. Ob es das richtige war, weiß ich bis jetzt noch immer nicht...

Kommissar Zufall entschied aus Sicht des Autors hier mal wieder völlig richtig. Während Dirk, Werner und Alex in ihrem "Appartement" quasi Golf spielen konnten, residierten Micha, Alfred und Karsten in einem Wohnklo. Sachen gibts!? Nachdem diese Ungleichbehandlung überwunden war, einige Minuten Schlaf etwas an Ruhe zurückgaben und wir uns gesammelt hatten, brachen wir gegen 13.30Uhr an den Ort des Geschehens auf. Es galt dort die Plätze zu beziehen, um rechtzeitig zur Streckenöffnung gegen 15.00Uhr am Ball, ähhh Regler, zu sein.

img_9360_640Sein Fehlen war unübersehbar. Der Kopf der italienischen Rennbahnschmiede NSR, Salvatore Noviello, verunglückte bei einem Autobahnverkehrsunfall drei Wochen vor dem Renntermin tödlich. Lange war die Ausrichtung des Events unsicher, doch es fand gerade zum Gedenken an ihn statt. Die Person selbst - das bestätigten alle, die ihn aus den vorangegangenen Jahren kannten - wurde jedoch schmerzlichst vermisst. Es fehlte ein wenig das Fluidum, gerade mit ausländischen Gästen höflich und zuvorkommend umzugehen; wat lernen die eigentlich in der Schule, Englisch, Fehlanzeige?! Da können die Spaghettis noch einiges lernen. Sorry, aber das musste jetzt einfach mal raus...

Pünktlich waren wir somit am Ort des Geschehens. Jetzt musste es nur noch 15.00Uhr werden und wir benötigten einen passenden Anschluss an das italienische Stromkontaktsystem. Wenn ich daran denke, könnte ich noch immer kotzen! Den Steckeranschluss hatte ich ja bekommen, an eigene Muffen, unsere Gastgeber hatten keine mehr, hatte ich auch gedacht, doch der richtige Anschluss musste noch gefunden werden. Welche Farbe steht für welchen Pol, das war die entscheidende Frage. Ich wollte intelligent sein und hatte zwei analoge Drücker mitgebracht, nur um sicherzugehen. Unsere digitalen Exemplare wollte ich nicht zerschießen - schließlich kosten die ACD-Teile über 200€ das Stück. Doch jetzt ging das Drama los. Warum auch immer: Die analogen Regler funktionierten nicht an den Anschlüssen! Warum? Keine Ahnung!

Im Verlauf des Rennens gab es einige interessante Erkenntnisse. In Deutschland ist es absolut üblich, dass jede Spur einer Bahn von einem Netzteil versorgt wird. Hier war es anders. Nur ein großes Netzteil versorgte alle Spuren einer Bahn. Das führt dann auch zu irritierenden Phänomenen. Die überwiegende Anzahl der Teams setzte PWM-Digitalregler ein. Diese geben während des Bremsens einen Teil ihrer Energie an das Netzteil zurück, das sorgt für kurzzeitige Spannungsspitzen. Ich weiß nicht ob die eher bescheidene Performanz aller deutschen Teams darin zu suchen ist, doch eins fiel auf: Die Bremspunkte waren nicht immer gleich oder ich bzw. wir waren einfach zu doof. Die italienischen Regler hatten in jedem Fall alle Zusatzboxen.

Meine These: Diese Boxen "fressen" die Spannungsspitzen, wer einen solchen Regler hat, hat immer gleich viel Strom. Nun denn, ab ca. 16.40 hatten auch wir welchen, Frankfurt und Hamburg sei Dank. Einige Zeit später hatten wir auch einen anderen Regler, noch einmal Hamburg sei Dank, Dirk und ich, wir beide wissen schon, warum wir HSV-Fans sind...

Ich habe keine Ahnung, was es für ein Diodenregler war, aber er war viel weicher als die ACD und der DS-Witec, die wir im Gepäck dabei hatten. Dass das alles so lange dauerte, ist bedauerlicherweise mein Bock. Auf der ACD-Seite gibt es einen Link mit dem Thema: Wie gehe ich vor, wenn ich an eine fremde Bahn komme? Danke, sehr schön. Hätte ich Herbert diese Seite etwas früher gelesen bzw. mich an sie erinnert, hätten wir über 90 Minuten mehr Einfahrzeit gehabt. Mist!

img_9596_640Hektisches Treiben während der technischen Abnahme...

Die Einfahrzeit endete um 20.00Uhr. Pünktlich um 19.50Uhr fiel dann die Beleuchtung in unserem Einsatzfahrzeug aus. Geil! Hektik, Erotik, Fußpilz. Micha macht sich bestimmt noch immer über meine zitternden Hände lustig, doch 10 Minuten später leuchtete der P68 wieder, aber ich war satt und zwar richtig. An diesem Tag klappte nix und zwar gar nix. Es folgte die technische Abnahme, d.h. der Einbau des Motors des Veranstalters unter Aufsicht der technischen Kommissare - irgendwie kleiner großer Rennsport eben - die Ausgabe der begrenzten Reifen bzw. Räder und die Hinterlegung der gesammelten Ersatzteile. Wenn man gewusst hätte, wie das alles läuft, man hätte bessere Vorsorge treffen können. So musste alles in die "Schüssel" geworfen werden. Maxx wäre wohl wahnsinnig geworden. In jedem Fall funktionierte am Ende alles. Ich hatte auch einen sehr wohlwollenden Italiener, der sogar Englisch verstand, da konnte man etwas Smalltalk halten. Begeistert zeigte er sich zumindest über das Design unserer beiden Einsatzfahrzeuge. Wenn schon, dann konnten wir zumindest in Schönheit sterben...

Danach wollten wir jedoch nur noch weg. Uns war die optionale Nachttrainingssession ab 22.00Uhr egal. Wir gingen lieber ins Hotel und anschließend in die Stadt, im Magenbereich machten sich nämlich schon grenzwertige Mangelerscheinungen bemerkbar. Wir fanden noch eine prima Pizzeria mit einem Inhaber, der schon einmal in Solingen gelebt hatte und zwei "netten Hasen" bzw. Töchtern, doch darauf komme ich noch an anderer Stelle zurück. Das war dann zumindest im Gesamtkonzept Labsal auf die geschundene Seele. Die Frustschoppen schmeckten in jedem Fall, einer besser als der andere. Da wir jedoch alle die Nachtfahrt in den Knochen hatten, ging es relativ frühzeitig "in Bett". Wir hatten uns gegenseitig mit Ohrenstöpseln versorgt und so schliefen wir auch alle zügigst ein, allen Schnarchorgien zum Trotz. Micha konnte dieser Beschallung nicht ganz so gut begegnen, deshalb endete seine Nacht zuerst. Alle anderen sammelten sich dann beizeiten im Frühstücksraum, wobei die Auslage schon ziemlich gefleddert war. Hier kann ich allen Mitlesern nur empfehlen, einmal mit Alfred auf die Reise zu gehen. Das ist Kabarett! Pur! Wenn man über den Begriff des nordhessischen "Mährens" gehaltvoll reflektieren will, dann nur mit ihm! Was habe ich, was haben wir gelacht...

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Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Scalextric- und Nincoschienen haben nun einmal so ihre Eigenheiten... Im Schrauberbereich konnte man uns von Ferne schon ausmachen. Maxx ist halt doch der Beste... Das Qualifying war hier im vollen Gang. Gerade auf dieser Bahn sind wir jedoch überhaupt keinen Meter gefahren...

Kurz vor 10.00Uhr waren wir zurück in der Halle und so konnten wir noch einmal einige Warmupmeter fahren. Allerdings nicht mit dem Einsatzfahrzeug - das war tabu - sondern mit den anderen Chassis, gegen die wir uns, mehr oder weniger, entschieden hatten. Dieser Auswahlprozess ist am Vortag, aufgrund des ganzen Ärgers und der Hektik, nämlich ziemlich kurz gekommen, doch jetzt war es zu spät. Das Qualifying auf einer völlig fremden Bahn und Spur stand schließlich an und ich sollte fahren, nun denn.

cimg1810_1024Noch einmal in froher Erwartung, richtig in Szene gesetzt...

Da wir Team Nr.2 waren, griffen wir als zweite in das Qualifikationstraining ein. Obwohl ich das Gefühl hatte, nicht eine Runde sauber zu treffen, war die Zeit schon mal nicht so schlecht. Mit einer 12,44 lagen wir deutlich vor den Franzosen, die vor uns gestartet waren. Auch danach kamen einige nicht an uns heran. Aus Deutschland konnte nur Frankfurt uns überflügeln. Mit 12,39 lagen die auf Platz "31", wir folgten auf "33". Damit konnte man wirklich leben. Auf der Spur "33" begannen wir das Rennen jedoch leider nicht. Die "33" wäre zwar eine der längsten Bahnen gewesen - eine Spur "8" - aber eben just jene, auf der wir am meisten trainiert hatten - schade drum. Dort fühlte ich mich richtig wohl, jetzt mussten wir jedoch auf "23" - einer "7" - starten.

Diese Bahn wechselt auf die "25" - eine "8". Dieses Pech konnte nur uns erwischen. Man wechselt von einer zweitlängsten Spur auf die allerlängste. Diesen Wechselrhythmus gab es nur einmal und wir erwischten ihn gleich zu Beginn. Damit war auch gleich klar, dass wir im Klassement ganz weit hinten liegen würden, bzw. liegen müssten. Ob unser Auto etwas taugte, war damit nur schwer einzuschätzen. Ein Fahrzeugwechsel, der in den ersten vier Stunden noch möglich gewesen wäre (mit geringem Strafrundenabzug), war somit nur bedingt möglich, da die notwendigen Erkenntnisse auf den schnellen Spuren fehlen würden.

20130413_121734_1024Kurz nach 12Uhr ging es dann auch schon los und der P68 lief und das gar nicht mal schlecht. Der Grip war i.O., nicht super, aber damit konnte man leben. Neben mir fuhren die Hamburger mit ihrem 917K auf der eigentlich schnelleren Spur "6", doch deren Porsche hatte keine Chance - regelmäßig verlor er seine Runden. In der Spitze fuhr der P68 12.4er Zeiten und das auf der "7" - damit wären wohl locker 11er Zeiten auf "3" oder "2" möglich gewesen - wir waren zufrieden. Frankfurt konnte uns nicht halten, nur Öffingen lag vor uns, die fuhren aber auch auf der superkurzen "1". Alles war im Plan und nach einer Stunde wechselten wir mit 250 Runden auf Platz 31 liegend, nur zwei Ränge hinter den besten Deutschen, den giftgrünen Öffingern. Das hatte etwas traumhaftes. Nach dem Freitag konnte man das nicht erwarten. Wir grinsten vom linken bis zum rechten Ohr.

Bei aller Begeisterung muss natürlich darauf hingewiesen werden, dass Erfolge nicht nur über schnelle Rundenzeiten herausgefahren werden können, noch wichtiger ist die Prämisse Fehlerfreiheit. Die war, bei aller Freude, jedoch nicht optimal. Ziel hätte es sein müssen, trotz der fehlenden Erfahrung nicht häufiger als 10 mal in der Stunde die Spur zu verlassen. Doch davon war ich weit entfernt. Jetzt musste Werner auf der langen "8" zeigen, was er konnte. Ich selbst hatte Bahndienst und bekam sein Rennen nicht mit, was sollte auch passieren? Doch es war gruselig. Es war die Bahn auf der das Qualifying stattfand und diese war eindeutig die unrhythmischste. Werner bekam nicht viel hin, zumal er die Bahn mehr als einmal auch über die Curbs hinaus verließ. Bei jedem Ausritt sammelten die Reifen mehr Staub und der Grip wurde immer schlechter. Zusätzlich haderte Werner mit der Qualität eines Einsetzers. Werners Hals wurde dicker und dicker und sein Nervenkostüm dünner und dünner. Aus Platz "31" wurde nach einer weiteren Stunde und zurückgelegten 217 Runden Platz "44" - so schnell kann das gehen. Werners Laune war jedenfalls im Eimer.

Jetzt, bereits nach zwei Stunden, erlebten wir den Schlüsselmoment unseres Rennes. Leider bekamen wir ihn jedoch nicht mit. Die Reifen waren hin, Punkt, aus. Alle Versuche in den nächsten drei Stunden, ihnen wieder ein wenig Grip einzuhauchen, schlugen fehl. Da wir jedoch nur 4 Sätze für das gesamte Rennen hatten, trauten wir uns natürlich nicht, sie bereits so früh zu wechseln.

Das Ungemach nahm jetzt erst so richtig seinen Lauf. Alfred drehte 202, Micha 219 und Karsten beinahe apokalyptische 193 Runden. Wenn man mal unterstellt, dass der P68 eigentlich für 240 bis 250 Runden im Schnitt hätte gut sein müssen, wären 1200 bis 1250 Runden nach fünf Stunden denkbar gewesen. Tatsächlich waren es aber nur 1081. Seit der dritten Rennstunde waren wir auf den 46. und letzten Platz gebucht, nach den fünf Turns schien dieser Platz zementiert. Alfred fuhr im Grunde so, wie er es immer tut. Maximal. Allerdings viel zu häufig außerhalb des Slots. Wenn es gut lief, gingen zehn Runden ohne Fehler, um dann in der elften Runde gleich zweimal rauszufliegen. So sank der Rundenschnitt weit nach unten. Endurancerennen werden nun einmal im Slot gewonnen und da machten uns nicht nur die Italiener etwas vor und das in jeder Hinsicht. Alfred war darüber hinaus auch der giftige ACD-Regler nicht auszutreiben. Bis zuletzt hielt er als einziger an ihm fest. Sicherlich war dies keine weise Entscheidung. Micha war einfach nur genervt, da sein Auto kein Potential hatte und er das Gefühl teilte, nur als Hindernisfahrzeug auf der Piste zu stehen.

Karsten war ein besonderer Fall. Zum allerersten Mal stand er an einer Rennbahn außerhalb Dahlheims. Er hat noch nie in und um Kassel gedrückt und demzufolge fehlten ihm natürlich die Erfahrungen, sich auf fremde Bahnen schnell einzustellen. In seiner Hilflosigkeit vertraute er zunächst auch noch auf den Witec-Regler der jedoch trotz sehr weich programmierter Kennlinie überhaupt nicht im Halbgasbereich funktionieren wollte. Er war entsetzt. Entsetzt ob des Ergebnisses und des Rückstands, den wir hatten. Zehn Runden verlor er dabei am Ende des Rennens zusätzlich, da wir jetzt - fraglos viel zu spät - die Reifen wechselten. Dirk folgte danach auf der längsten Spur und da ging es schon besser: mit 222 Runden ging es aufwärts, doch der recht hoffnungslose Rückstand war da.

Alfred und Micha steigerten sich (224 und 232 Umläufe), wirklich gut war das aber noch immer nicht. Werner auf Spur "2" zeigte dann aber doch, dass der P68 noch funktionierte. 248 Runden drehte er. Na bitte, es ging doch noch etwas, wenn auch 100 Runden Rückstand recht aussichtslos erschienen. Mein Gott wäre das bitter gewesen, hatten wir doch das Motto "Alles, nur nicht Letzter werden!" auf Maxxens Banner platzieren lassen.

Italienische Impressionen...

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Dirk hatte das Vergnügen, in die Nacht zu starten. Nacht in Salsomaggiore an der Bahn bedeutete wirklich "Nacht". Es war stockfinster und entsprechend schwer war es, die passenden Bremspunkte zu finden. Zusätzlich wurden während des Turns die Teams nacheinander aufgerufen, um ihre Beleuchtung zu aktivieren. Gedanklich hatten wir schon einmal eine Kerze ins Fenster gestellt, zuviel war schließlich am Vortag schief gegangen. Doch, oh Wunder, der P68 erstrahlte hell im gleißenden Licht, Dirk konnte seine Runden weiter drehen und das annähernd auf dem Niveau des hellen Turns. Einige andere Konkurrenten gerieten jetzt jedoch in hektische Betriebsamkeit - ihre Fahrzeuge blieben vorerst dunkel. Es startete die Schrauberzeit, aber nicht bei uns. Richtig erwischen sollte es die Truppe Master of Insanity aus der Region Berlin, Master of Disaster wäre wohl passender gewesen. Ihr Wagen blieb dunkel und es dauerte über eine Stunde, bis der komplette Kabelbaum mit Hamburger Hilfe - in Berlin lagen wohl die Nerven blank - neu verlötet war und sich tatsächlich eine Beleuchtung einstellte. Unglaublich, wir waren den letzten Platz los und das relativ komfortabel.

Die folgende Nachtsession war lang, sie dauerte sieben Stunden, und natürlich knickten die Leistungen ein. Unsere beste Nachteule war Werner mit 226 Runden auf der Spur "1", Karsten kam hingegen auch Nachts nicht so richtig in Tritt, mit 202 bzw. 205 Runden vermied er aber den abermaligen Gau, das Absacken unter 200 Runden. Der Grund für seinen Rückstand war ganz einfach: Zu viele Fehler durch einen nicht herzustellenden Rhythmus. Wir alle rätseln, warum es nicht klappen wollte.

Nach der Nacht funktionierten unsere bereits seit 11 Stunden eingesetzten Reifen noch immer und jetzt durfte ich einmal im Morgengrauen bei nicht ganz so doller Sicht - die Morgensonne knallte uns nämlich direkt ins Gesicht - auf der kürzesten Spur "1" ran. Und siehe da, der P68 war eigentlich immer noch konkurrenzfähig. Mit 254 Runden gelang uns der beste Turn des Rennens und danach griffen wir alle noch einmal an. Micha zeigte 244 Runden mit neuen Reifen, wobei die Wechselpause ihm bestimmt 5 bis 10 Runden kostete, Werner und Alex fuhren noch einmal 250 Runden und das Geburtstagskind - Dirk war um Mitternacht 45 Jahre alt geworden - setzte den Schlusspunkt mit 247 Runden. In den letzten 6 Stunden fuhren wir einen Rundenschnitt von knapp 243 Runden und das trotz Alfreds 209er-Turns, der aber dem notwendigen Litzenwechsel geschuldet war. Es wäre insoweit doch viel mehr möglich gewesen. Leider ist der Konjunktiv jedoch schon immer der größte Feind eines besseren Ergebnisses gewesen.

img_0063_640Am Ende überwog die Freude ob des erreichten Platzes, wobei er sogar besser ausfiel als zunächst gedacht...

Zur Siegerehrung sind wir damit im Gefühl eines 45. Platzes gegangen. Dieses trog jedoch im nachhineien. Da drei italienische Feldauffüllerteams mitfuhren, die mit einer Vielzahl von Piloten antraten, waren noch jede Menge Malusrunden abzuziehen, denn das Regelwerk war in diesem Zusammenhang sehr rigide. Als Beispiel sei erwähnt, dass jeder Fahrer mit einem professionellen Fahrerausweis ausgestattet war. Mittels Scancode musste man sich vor Fahrtantritt einloggen. Vergaß man diesen Schritt, hagelte es beispielsweise Rundenabzüge. Diese Abzüge ersparten wir uns jedoch und so rollten wir mit 5186 Runden als 42. aus. Dabei fehlten uns 115 Runden auf die 41., 212 Runden auf die 39. und satte 476 Runden auf die 29. Achso, ganz nebenbei, den Sieg errang das Team der Veranstalter für sich, gespickt mit aktuellen und ehemaligen Ninco-Weltmeistern. Sie schafften mal eben so 6642 Runden. Noch einmal zum Mitschreiben: Sieger 6642, wir 5186. Das ist mal ein Leistungsunterschied. Den italienischen Spezialisten zusehen zu dürfen, war ein Wahnsinn; ein Zeige- bzw. Mittelfingerstakkato der fantastischen Sorte. Ich nehme für mich in Anspruch, durchaus einigermaßen begabt zu sein, doch diese Präzision war "incredible". Über eine halbe Stunde bewegten sie ihre Modelle am alleräußersten Limit und das bei vollständiger Fehlerfreiheit - Hut ab. Da muss man sich einfach eingestehen, dass uns unter dem Strich nicht nur Erfahrung sondern auch der notwendige Thrill fehlte, um hier weiter nach vorn springen zu können.

img_0055_640_01Time to say goodbye. Die 24 Stunden von Salsomaggiore Terme sind vorbei. Die Plätze vergeben, die Wunden geleckt, oder auch nicht...

Die sich daran anschließende dritte Halbzeit war dann das entscheidende Highlight. Sehr vorteilhaft war die Anwesenheit Karstens, so war die Rückfahrt ins Hotel schon einmal gesichert. Wäre Matze mit dabei gewesen, dann hätten wir ein echtes Problem gehabt. Deshalb noch einmal ausdrücklich: Vielen Dank Karsten, für alles! Es folgten Meinungsaustausche mit den Jungs aus dem Ruhrpott, mit deren Hilfe ich die Kommentarleitung auf unsere HP halten konnte und Benzingespräche mit den Frankfurtern und Hamburgern. Letztere hatten uns ja ihren Regler geliehen. Danach wechselten wir an die Hotelbar und Alfred gab richtig Gas. Wir mussten uns seinen verfluchten Limoncello einverleiben - bahh, fürchterlich - und Werner war im Anschluss kurz davor, in die Besinnungslosigkeit einzutauchen, Stufe "9" oder so ähnlich, man, man, man... Der anschließende Stadtspaziergang brachte echte Sommergefühle und reduzierte den Alkoholpegel - wir genossen das erste Eis der neuen Saison und waren entsetzt ob der Preise in Italien. Als Kind im Italienurlaub war ich stets begeistert, weil es ja so günstig war. Qualitativ war es auch am 14. April 2013 großartig, über den Preis schweige ich mich jedoch besser aus. So führte uns der Weg zurück in unsere Pizzeria und eine entscheidende Frage stand ja auch noch im Raum: Welche Tochter war die jüngere? Auch dieses Rätsel sollte Micha noch beim Verlassen klären, keine kann sich unserem Charmeur schließlich entziehen. 

cimg1863_1024Ein letzter Gruß aus den Schweizer Hochalpen...

Das war es dann. Am 15. ging es zurück. Mit einem kurzzeitig genervten Karsten, der sich die Sprüche seiner lieben Herren Beifahrer im ersten und zweiten Kreisel in Salsomaggiore anhören musste, einem fantastischen Ausblick am Berninapass, mit einem Schnitzel zur Unzeit auf österreichischem Boden, einem Stau mitten im Pfändertunnel und einer ansonsten stressfreien, kurzweiligen und unkomplizierten Heimfahrt, die für Werner nur eine Zwischenstation war - der musste am nächsten Tag nämlich schon weiter nach Schanghai. Faszinierend.

Und so ist es Zeit, noch einmal Dank zu sagen. Danke an die Jungs. Danke dafür, dass ihr den Mist mitgemacht habt, auch wenn Micha danach sagte, er sei zu alt für den Scheiß! Ich denke, heute sieht er das vielleicht schon wieder anders. Danke an die Mädels, besonders meine. Danke dafür, dass sie all den Vorbereitungsstress bereitwillig ertragen haben, auch wenn es mit uns und vor allen Dingen mit mir bestimmt nicht ganz einfach war. Und schließlich: Danke an die große Zahl unserer Sponsoren. Danke, dass ihr unseren Traum mit geträumt habt. Dieser Traum hat übrigens auch seinen Niederschlag in "der" deutschen Rennbahnzeitschrift, der Car-On-Line, gefunden. Der Autor des WRE-Artikels, Frank Schüler aus Frankfurt, selbst Konkurrent in Salsomaggiore und gleichzeitig Mitsponsor, konnte es nicht lassen, die geniale Dahlheimer Sponsoringidee noch einmal lobzupreisen.

Ihr wart und seid klasse!

Alex

 

 

 



 
Kommentar von Frank 06.06.2013 19:22
Hossa, das war ja ein Trip der besonderen Art!!!

Was mich wirklich Lächeln gemacht hat, ist mein Motto "AnnLw" auf dem Banner .... Da habe ich n copyright drauf! Alex datt wird teuer 💂💀😁


Kommentar von Alex 06.06.2013 20:18
Hola! Die Urheberrechtsverletzung zahle ich gern! In Form eines Schoppens in Dahlheim, jederzeit. Find ich ja total geil, dass ein beinahe verlorener Teil der Fuldatalconnection immer noch am Ball bzw. Piste ist und uns hier die Treue hält.

Wir sehen uns und ja, du hast recht, es war ein toller Trip!


Kommentar von MAXX 11.06.2013 09:02
Ut desint vires tamen est laudanda voluntas et semper aliquid haeret!

mein lieber alex, es ist gut, dass du es noch noch gemacht hast....manchmal ist es halt besser, dass disater des erlebten sacken zu lassen, um es nicht zu emotionsgeladen und idadurch zu negativ formuliert zu haben. ;)
übrigens: am besten gefällt mir übrigens DIRK im team-dress...sieht irgendwie "spannend" aus! =)

frookie, solange du dich nicht mehr irgendwo sehen lääst, gibts keinen anspruch auf die aus dem römischen reich stammende maxime "alles, nur nicht Letzter werden!"

also: bälle flach ist großes tennis... oder sich ein SCALEAUTO besorgen und zur 2. RSR-CUP-saison antreten! ;o)


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